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Brief an Oma [†]

Dieser Beitrag ist, wie auch Abschied nehmen, sehr persönlich. Das lese ich zumindest oft in meinem Instagram Feed häufig. Zu diesem Beitrag brauche ich keine Worte wie "fühl dich gedrückt". Jeder von uns geht anders mit dem Tod einer sehr bedeutenden Person, die einem noch nahe gestanden ist, um.

 

Liebe Oma,
zurzeit fällt mir nichts ein, was ich schreiben könnte.

Ich habe immer wieder denselben Gedanken in mir. Ich breche in Tränen aus, weil ich mich nicht von dir verabschieden möchte. Weil ich weiß, dass es das letzte Mal sein wird. Ich gehe mit Tränen in den Augen an dein Bett, nehme deine Hand, halte sie mit beiden meiner Hände fest. Drücke dich sanft, ohne dir weh zu tun. Küsse dich. Sage dir, dass ich bald wieder komme und dass wir uns noch einmal sehen werden. Spätestens am Freitag. VERSPROCHEN!

 

Montag - 10.04.2017 - Tag der Geschwister

Um ehrlich zu sein, mir war nicht nach feiern zumute. Täglich werden wir via WhatsApp benachrichtigt, von meinen Eltern und meinen Tanten. Heutzutage geht das mittels Messengerdienst einfacher.

An diesem Tag bist du nach Hause gekommen. Du warst erleichtert. Erleichtert ist hier das falsche Wort. Du warst zufrieden, in deinen eigenen vier Wänden wieder zu sein. In gewohnter Umgebung.

Dir schenkten wir zusätzlich und abwechslungsreich jede Menge Liebe und Kraft. Du kanntest den Weg zu Gott. Er half dir. Du wusstest wann es vorbei war. Du hattest bis zum Schluss gekämpft. Du hast dich am Freitag, den 14. April 2017 entschieden dich selbst zu erlösen. Am Donnerstag keine Medikamente mehr genommen. Sie linderten und verlangsamten nur mehr deinen Tod. Das wolltest du nicht mehr. Seit deiner Ankunft zu Hause, wolltest du kaum mehr Nahrung zu dir nehmen.

 

Ich habe zuvor genügend Leichen im Fernseher gesehen. Doch du - ich bin beim Türstock gestanden, wie ein angelehnter Besen. Ich konnte mich nicht näher zu dir stellen. Mama sah mich an, wollte, dass ich näher herantrete. Ich konnte jedoch nicht. Es tut mir leid, Oma. Ich konnte es zumindest nicht gleich tun. Erst einige Zeit später. In dem Moment jemanden leblosen wie dich da liegen zu sehen, ist in den paar Sekunden nicht realisierbar. Es braucht, wie du siehst, seine Zeit, dass alles verarbeitet zu haben. Jetzt liegst du schon einen Monat unter der Erde. Nein, du bist seit einem Monat bei Gott, der gemeinsam mit dir auf uns herab sieht, uns anlächelst, wenn die Sonne zu schwach ist und immer bei uns bist. Gott passt auf dich auf.

 

Manchmal habe ich das Gefühl, zu wenig in deinem Dorf gewesen zu sein. Dich zu selten besucht zu haben. Ich weiß, dass ich dies bei allen anderen Verwandten nicht tun werde, weil manchmal die Zeit doch zu knapp werden könnte, besonders bei der älteren Generation - Omi und Opa.

 

Ich will nicht aufhören zu schreiben. Ich will ewig mit dir sprechen. Buchstaben, Wörter und Sätze auf Papier bringen. Oder elektronisch - auf den Blog.

 

Bleibe bei mir! Bitte.

 

In Liebe,
deine immer bleibende jüngste Enkelin

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